Nachbetrachtung zum XXVI. Sächsischen Altlastenkolloquium am 4. und 5. November 2020

Am 4. und 5. November 2020 fand das XXVI. Sächsische Altlastenkolloquium in einer komplett neuen Form statt. Eingeladen hatten der Bund der Ingenieure für Wasserwirtschaft, Abfallwirtschaft und Kulturbau e.V. (BWK), der Landesverband Sachsen als Veranstalter, das Sächsische Staatsministerium für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft (SMEKUL) als Schirmherr sowie das Dresdner Grundwasserforschungszentrum e.V. (DGFZ) als Partner und Organisator. Die inhaltliche Vorbereitung der Tagung lag in den Händen des Arbeitskreises Altlasten des Landesverbandes Sachsen des BWK.

In diesem Jahr stellten wir uns der Herausforderung, das Kolloquium aufgrund der behördlichen Vorgaben zur Eindämmung der Corona-Pandemie komplett online durchzuführen. Das war für alle Beteiligten Neuland und deshalb schwang auch etwas angespannte Aufregung während der Veranstaltung mit. Vielen Dank deshalb an dieser Stelle den Referentinnen und Referenten für ihre Bereitschaft, sich darauf einzustellen. Vielen Dank an Sie, die Teilnehmer*innen, die Sie bis zum letzten Tag flexibel geblieben sind. Es waren immerhin ca. 110 Personen, die der Veranstaltung vor den Bildschirmen gefolgt sind. Besonders erfreulich waren die regen Diskussionen über den Chat, wenngleich sie eben nicht im persönlichen Gespräch, an Stehtischen, den Firmenständen und beim Abendbuffet fortgesetzt werden konnten. Ein Dankeschön an die Firmenaussteller, die trotzdem die Möglichkeit der online-Darstellung genutzt haben. Nicht zuletzt ein Dankeschön an die Tagungsorganisation, die sich dieser Herausforderung gestellt hat.

Nach wie vor gibt es spezifische Altlastenthemen, die alle Akteure herausfordern und so wurde das Programm genutzt, diese im Kreise des interessierten Fachpublikums zu diskutieren. In den fünf Themenblöcken wurden übergeordnete Themen, neue Arbeitshilfen, komplexe Standorte und Verfahren und auch die Behandlung PFC-belasteter Standorte besprochen.

Im Anschluss an die Begrüßung durch den Vorsitzenden des BWK Landesverbands Sachsen Dr. Andreas Eckardt sprach Herr Dr. Gerd Lippold, Staatssekretär für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft, die neuen Herausforderungen der Altlastensanierung an, informierte mit Verweis auf erfolgreiche Fördermaßnahmen über die Mittelausschöpfung bei der Förderrichtlinie „Inwertsetzung von belasteten Flächen“ in der aktuellen Förderperiode und wies darauf hin, dass eine Fortführung seitens des SMEKUL angestrebt werde. Weiterhin streifte er das Thema der Brachflächensanierung durch Revitalisierung und bekräftigte das Ziel der Koalition, den Zuwachs der Flächenversiegelung in Sachsen zu vermindern.

Die Palette der Altlastenthemen, die vorgestellt und diskutiert wurde, war auch in diesem Jahr sehr vielfältig. Am ersten Veranstaltungstag standen übergeordnete Themen sowie neue Arbeitshilfen im Mittelpunkt. So setzte sich Frau Dr. Helling (Umweltamt Dresden) im ersten Block, der von Dr. Seiffert (SMEKUL) moderiert wurde, mit dem „Fluch oder Segen“ durch das Bauen auf Altlastenverdachtsflächen auseinander. Herr Prof. Dr. Henke (Tiefenbacher Rechtsanwälte) referierte u.a. über Ausgleichsansprüche bei Sanierungen nach Bodenschutzrecht und Herr Dr. Menschner (CDM Smith Leipzig) sprach über die Entwicklung einer Methodik zur Bewertung des Einbaus bergbaufremder Abfälle. Zu Beginn des zweiten Blocks, der von Frau Sohr (Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, LfULG) moderiert wurde, stellte Frau Machtolf (IFUA-Projekt-GmbH) die neue LABO-Arbeitshilfe zur Expositionsabschätzung vor. Weiterhin sprachen Herr Bröse (LfULG) und Herr Dr. Goldbach (Arcadis Germany GmbH) über das neue Handbuch zur Sanierungsuntersuchung unter Einbeziehung von Tools zur Abschätzung der Sanierungsdauer. Zum Abschluss des ersten Tages informierte Herr Frauenstein (Umweltbundesamt) über die Überwachung von Boden und Grundwasser als eine zentrale Säule der Vorsorge während des Betriebs von Industrieanlagen nach der europäische Industrieemissionsrichtlinie (IED).

Am zweiten Tag wurden zahlreiche komplexe Standorte und Verfahren vorgestellt. Frau Dr. Beckmann (HPC AG) und Herr Dr. Kuntze (Isodetect GmbH) sprachen zu Beginn des dritten Vortragsblockes, moderiert von Herrn Stintz (SMEKUL), über Abbauuntersuchungen zur Findung des „mildesten Sanierungsmittels“ an einem ehemaligen Industriestandort. Ein Beispiel zum Thema ISCO (In-situ-chemische-Oxidation) mit Fracturing zur Grundwassersanierung im gering durchlässigen Bodenbereich aus der Praxis, stellte Herr Dr. Held (Arcadis Germany GmbH) vor. Herr Zittwitz (Sensatec GmbH) setzte sich mit der Frage auseinander, ob die Wirkstoffinjektion für die In-Situ Sanierung „quick and dirty“ sei, oder eine anspruchsvolle Sanierungstechnologie. Auch die Beendigung der aktiven Sanierung und der Übergang der Nachsorge sind wichtige Aspekte der Altlastenbehandlung. Dies legte Herr Dr. Giese für Altstandorte der Karbochemie zu Beginn des vierten Vortragsblockes dar. Ein stetiges Update zum Großprojekt „SOW Böhlen“ ist mittlerweile fester Bestandteil des SALKO. Herr Harles (Sakosta SKB GmbH) brachte die Teilnehmer*innen dazu auf den neusten Stand. Abschließend zu diesem Vortragsblock, der von Herrn Dr. Menschner moderiert wurde, stellte Herr Geißler (HUESKER Synthetic GmbH) eine neue Verfahrenstechnik zur Optimierung von Altlasten- und Gewässersanierung vor.

Im letzten Vortragsblock, moderiert von Herrn Frauenstein (Umweltbundesamt), wurde das weite Feld der PFC- bzw. PFAS-Behandlung besprochen. Diese Stoffe sind für Menschen und Tiere toxisch. Was die Bearbeitung solcher Sanierungsfälle so anspruchsvoll macht, wurde von Herrn Dr. Reinhard (Arcadis Germany GmbH) erläutert. Frau Kellner (Züblin Umwelttechnik GmbH) stellte praxiserprobte Verfahren zur Grundwassersanierung mittels Bodenwäsche für PFAS belastete Medien vor. Herr Leonard (REGENESIS Europe) schloss mit der Entwicklung eines In-Situ Verfahrens von PFAS Kontaminationen an und teilte gewonnene Erkenntnisse aus der Anwendung desselben auf mehreren Kontinenten mit den Zuschauern. Von einer anderen Seite betrachtete Herr Buhl (Cornelsen Umwelttechnologie GmbH) das Thema und sprach über die Immobilisierung PFC belasteter Böden.

In seinem sehr positiven Schlusswort, mit herzlichen Dankesworten, bekräftigte Herr Dr. Eckardt den Wunsch, das nächste SALKO 2022 wieder „Aug in Aug vor Ort“ durchführen zu können.